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Ein Vierteljahrhundert im ewigen Eis

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image Forschungsschiff "Polarstern" wird 25

Dank ihm hat sich die Polarforschung vom gefährlichen Abenteuer und oft eher zufälligen Entdeckungen zu einer systematischen Wissenschaft entwickelt:

Seit fast 25 Jahren bahnt der Eisbrecher "Polarstern" Forschern unterschiedlicher Disziplinen den Weg ins ewige Eis. Wenn am Mittwoch in Berlin Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Festrede zum Geburtstag des weltweit leistungsfähigsten Polarforschungsschiffs hält, wird an Bord aber wohl kaum Zeit zum Feiern sein. Denn dort, im Hafen des südafrikanischen Kapstadt, laufen die letzten Vorbereitungen von Besatzung und Wissenschaftlern für die nächste Expedition in die Antarktis.

"Vielleicht trinken sie kurz einen Sekt, bevor es losgeht", vermutet Ralf Röchert, Sprecher des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) für Polar- und Meeresforschung, das die "Polarstern" betreibt. Mit dem Kommando "Leinen los" beginne aber für die 53 Wissenschaftler aus acht Ländern die "kostbare Forschungszeit" an Bord, betont der wissenschaftliche Koordinator der Polarstern-Expeditionen, Eberhard Fahrbach. Viele hätten sich zuvor jahrelang um die Teilnahme an einem der meist gut zweimonatigen Fahrtabschnitte bemüht und arbeiteten - wie auch die 47-köpfige Besatzung - im Schichtdienst, um das Forschungsschiff rund um die Uhr auszulasten.

Bis zur Rückkehr nach Kapstadt Anfang Februar widmen sich die Passagiere der "Polarstern" vor allem der Klimaforschung - beschäftigen sich etwa mit Plankton, das Kohlendioxid aus der Atmosphäre binden kann, oder mit der Reaktion der Krebsart Krill auf Umwelt- und Klimaveränderungen. Ohne die seit der ersten Expedition im Dezember 1982 an Bord des "schwimmenden Labors" gewonnenen Erkenntnisse wäre laut AWI "das heutige Verständnis des Systems Erde nicht möglich".

Daneben gilt es einmal mehr, die ganzjährig betriebene Forschungsstation "Neumayer II" in der Antarktis mit Material, Treibstoff und Lebensmitteln - darunter auch Lebkuchen und Marzipan für das Weihnachtsfest - zu versorgen. Zugleich hat die "Polarstern" die Aufgabe, einem mit Baumaterial für die künftige neue Forschungsstation "Neumayer III" beladenen Frachter den Weg in die Antarktis freizubrechen. Bis zu 1,50 Meter dickes Eis kann das 118 Meter lange Forschungsschiff durchfahren, dickere Schichten durch Rammen durchbrechen.

Für seine monatelangen Aufenthalte im Eis ist die "Polarstern" laut Fahrbach gut gerüstet. Im Laufe der Zeit sei vieles erneuert worden. Eine ständige E-Mail-Verbindung, moderne Abfallaufbereitungs- und Kläranlagen, Kühlräume zur längeren Gemüse-Lagerung sowie immer aufwändigere Messgeräte wie "riesige Unterwasser-Roboter" sind heute selbstverständlich. Mit an Bord sind unter anderem Techniker und Ingenieure, die jederzeit für Reparaturen
bereitstehen. Auch gibt es Sportmöglichkeiten: Man müsse sich in Fitnessbereich oder Sauna auch "mal austoben oder entspannen" können, um einen Bord-Koller zu vermeiden, erzählt der 60-Jährige, der seit 1986 fast drei Jahre an Bord verbracht hat.

Eine besonders bedeutende Rolle spielt auch das Essen. "Ein guter Koch ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen einer Reise", betont Fahrbach. Wenn es etwa im Sommer in den Polargebieten den ganzen Tag lang hell sei, werde der Tagesrhythmus nur durch die Mahlzeiten aufrecht erhalten, die dadurch einen "ganz anderen Stellenwert" bekämen: "Wenn Frühstück ist, ist Morgen." Dabei muss es für die verschiedenen Geschmäcker von Besatzung und Forschern sowohl deftige Spiegeleier mit Speck als auch leichtere Kost wie Müsli geben.

Fast elf Monate im Jahr ist die "Polarstern" in Arktis und Antarktis unterwegs. Das Zusammenleben der regelmäßig wechselnden 100 Bordbewohner spielt sich dabei laut Fahrbach "wie in einem kleinen Dorf" ab, "man lebt sehr eng zusammen auf so einem Schiff". Dieses Gemeinschaftserlebnis sei "ein sehr anregendes Gefühl". Noch mindestens ein weiteres Jahrzehnt lang soll der Eisbrecher nach einer baldigen Generalüberholung so die Polarmeere befahren.

ds/ul
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